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Berlin
Wer Lena Menzel (LG Reinhardswald/TSG Hofgeismar) am Vorabend der
deutschen Leichtathletik-Jugendmeisterschaften und während der zwei
Wettkampftage in Berlin erlebte, bekam Abseits der Laufbahn nicht das
Gefühl, eine zukünftige Silbermedaillengewinnerin über 400 Meter der
weiblichen B-Jugend vor sich zu haben.
Trotzdem sie
als Dritte der Meldeliste zu den Favoritinnen gehörte, hatte Menzel
offensichtlich Zweifel was ihre Chancen anging.
Das äußerte
sich schon am Donnerstag Abend in der Frage, ob es denn über 400 Meter
ein B-Finale für die nach den Vorläufen auf den Rängen neun bis 16
platzierten Athletinnen geben würde. Die Antwort fiel negativ aus und
im Vorlauf am Freitag zeigte Menzel, dass die Frage auch vollkommen unnötig
gewesen war.
Von einer überraschend
forsch losstürmenden Sherin Zaian (Berlin) gefordert lief auch Menzel
zur Bestform auf und sprintete in 55,87 Sekunden die schnellste
Vorlaufzeit. Kurzzeitig hellte sich die besorgte Miene auf
Doch nur
kurz, dann musste Trainer Mustafa Hallal (TSG Hofgeismar) wieder Zweifel
zerstreuen. "Das war zu schnell. Die Zeit kann ich doch morgen unmöglich
noch einmal toppen", sagte Menzel.
Doch Hallal
wusste, dass nach dem Training der letzten Monate noch eine Steigerung
drin war und überzeugte auch seine Athletin. Nach einem langen
Auslaufprogramm und einer Massage von HLV-Physiotherapeutin Steffi Nasz
war Ausruhen bis zum Finale angesagt.
Beim Blick
auf die Startliste für den Endlauf am Samstag waren die Zweifel wieder
da. Bahn sechs, alle Favoritinnen im Rücken, die Auslosung hätte
besser laufen können. Dann der Weg zum Finale.
500 Meter
durch einen Tunnel vom Aufwärmplatz zum Callroom am Marathontor. Eine
übereifrige Kampfrichterin, die zu lange Spikenägel monierte, trug
nicht zur Nervenberuhigung bei. Nach dem Einmarsch ins Stadion
Vorstellung der Athletinnen auf der großen Videowand an der Stirnseite
des Stadions.
Dem
Startschuss folgte ein atemberaubender Lauf von Menzel. Die
200-Meter-Marke passierte sie als Vierte mit mehr als zehn Metern Rückstand.
Dann zündete sie den Turbo. Auf die Zielgerade bog sie als Dritte ein,
50 Meter vor Schluss schob sie sich auf Rang zwei, einzig die
Titelverteidigerin Corinna Harrer (Regensburg) konnte sie nicht mehr
einholen.
Im Ziel noch
einmal die Rückversicherung beim Fotografen im Innenraum, Alexander
Humme (TSG Hofgeismar). "Alex, Zweite?". "Ja, Zweite.
55,53 Sekunden!". Und dann trotz der Erschöpfung ein Lächeln und
endlich silberne Gewissheit. (zah)
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